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Freud Museum London Freud Museum

Sigmund Freud lebte in diesem Haus. Er bezog es am 27.September 1938 und blieb hier, bis er am 23.September 1939 im Alter von  83 Jahren verstarb. Seine Tochter Anna wohnte hier bis zu ihrem Tod im Jahre 1982. Zwei Jahre zuvor hatte Anna Freud das Haus dem Sigmund Freud Archiv verkauft mit der Auflage, es nach ihrem Ableben in ein Museum zu verwandeln. Nach umfassenden Renovierungsarbeiten wurde das Freud Museum als eingetragene englische Stiftung im Juli 1986 eröffnet.

Freud kam als Flüchtling vor den Nazis nach London. Die Werke Freuds und die anderer Psychoanalytiker wurden 1933 öffentlich verbrannt, und in den folgenden Jahren emigrierten viele Mitglieder der - vorwiegend jüdischen - psychoanalytischen Gesellschaft Wiens. Freud jedoch lehnte es ab, das Land zu verlassen. Erst nach dem Anschluß Österreichs an Deutschland, als die Familie Freud nationalsozialistischen Schikanen ausgesetzt wurde, willigte er ein, die Berggasse 19 in Wien, sein Zuhause seit 47 Jahren, zu verlassen. Er kam am 6. Juni in London an und zog zunächst in ein gemietetes Haus in 39, Elsworthy Road. Sein Sohn Ernst und seine Haushälterin Paula Fichtl richteten für ihn seinen Arbeitsraum in 20, Maresfield Gardens ein und zwar genauso, wie er in Wien gewesen war.

In den letzten 16 Jahren seines Lebens litt Freud an Gaumenkrebs. Dennoch setzte er bis zuletzt seine Arbeit fort. Der Mann Moses und die monotheistische Religion  wurde erst in England fertiggestellt, und in Maresfield Gardens wurde noch der (unvollendete) Abriß der Psychoanalyse  geschrieben. Zudem führte Freud weiterhin seine Praxis und empfing etliche Analyse-Patienten in Maresfield Gardens.
 

ERSTER STOCK

Das Anna Freud-Zimmer gibt Einblick in einige Aspekte ihrer Arbeit und ihres Charakters. Der Raum enthält u. a. Möbelstücke aus ihrem Arbeitszimmer (inklusive ihrer Analyse-Couch) sowie den Webstuhl aus ihrem Schlafzimmer.
Anna Freud webte und strickte mit Begeisterung -selbst während der Analysestunden ihrer Patienten ruhte ihr Strickzeug nicht. Sie wurde 1895 als sechstes und jüngstes Kind von Sigmund und Martha Freud geboren. Sie begann 1914 eine Ausbildung als Volksschullehrerin, 1918 jedoch begann sie ihre Ausbildung zur Laien-Psychoanalytikerin und erhielt ihre eigene Analyse von ihrem Vater. Anna Freuds kurze Zeit als Grundschullehrerin bereitete die Basis für ihre Pionierarbeit auf dem Gebiet der Kinderpsychologie: Ihre Einführung in die Technik der Kinderanalyse wurde 1927 veröffentlicht, und ihr einflußreiches Buch Das Ich und die Abwehrmechanismen erschien 1936.  Ab 1923 war sie außerdem Sekretärin und Botschafterin ihres Vaters. Eine Schautafel in ihrem Zimmer zeigt einiges von Anna Freuds klinischer Arbeit in Wien und London. Hier assistierte ihr Dorothy Burlingham, eine Analytikerin, die in 20 Maresfield Gardens bis zu ihrem Tod im Jahre 1979 wohnte.

Im Flur hängen zwei Sigmund Freud-Portraits, das eine von Ferdinand Schmutzer, das andere von Salvador Dali. Schmutzers Originalzeichnung in Kreide und Kohle wurde 1926 angefertigt, und eine Radierung davon hängt jetzt im Speisezimmer. Freud lobte das Portrait und schrieb in einem Dankesbrief an Schmutzer: " ... Mir macht sie eine ungemeine Freude und es ist mir ein Bedürfnis, Ihnen für die Mühe zu danken, die Sie sich mit der Wiedergabe meines garstigen Gesichts gegeben haben und die Versicherung zu wiederholen, daß ich mich erst jetzt als aufbewahrt für die Nachwelt fühle."

Salvador Dalis Zeichnung wurde 1938 angefertigt. Stefan Zweig stellte den Surrealisten am 19. Juli Freud vor, als dieser noch in 39, Elsworthy Road wohnte. Während dieser Begegnung konnte Dali unbemerkt eine Skizze machen, nach der er später eine Tuschezeichnung fertigte. Weder die Skizze noch die fertige Zeichnung wurden Freud gezeigt, da Zweig der Meinung war, daß sie Freuds nahe bevorstehenden Tod allzu deutlich vorausahnten.
 

ERDGESCHOSS

Die Veranda am hinteren Teil des Gebäudes wurde oft genutzt; man kann von hier aus den Garten überblicken und das Dach wurde von Freuds Sohn Ernst, einem Architekten, entworfen.

An diese schließt sich das Speisezimmer an, das mit bemalten Bauernmöbeln aus Anna Freuds und Dorothy Burlinghams ländlicher Hütte im österreichischen Hochrotherd eingerichtet ist. Hier befindet sich auch ein Gemälde der Alpenregion, in der Freud für gewöhnlich seine Ferien verbrachte, um in dieser von ihm geliebten Landschaft zu wandern.

Arbeitszimmer und Bibliothek wurden von Anna Freud nach dem Tod ihres Vaters unverändert gelassen. In dem Zimmer befindet sich die Analysecouch aus der Berggasse 19, auf der die Patienten lagen,  während Freud für sie unsichtbar in seinem grünen Sessel ihren freien Assoziationen lauschte. Sie wurden gebeten, alles auszusprechen, was ihnen in den Sinn kam, ohne das Gesagte bewußt zu filtern und auszuwählen. Diese Methode wurde die Grundlage der Psychoanalyse.

Das Arbeitszimmer ist gefüllt mit Antiquitäten aus dem antiken Griechenland, Rom, Ägypten und dem Orient. Freud besuchte viele Ausgrabungsstätten (nicht jedoch Ägypten), erstand aber den Großteil seiner Sammlung von Wiener Händlern. Er gab zu, daß einzig seine Abhängigkeit von Zigarren seine Sammelleidenschaft an Intensität noch übertraf.
Die Bedeutung der Sammlung wird auch dort offensichtlich, wo Freud die Archäologie als Metapher für die Psychoanalyse verwendet. Ein Beispiel hierfür gibt Freud, wenn er einem Patienten erklärt, daß bewußtes Material sozusagen verwittere, während daß Unbewußte relativ unverändert bleibe. “Ich erläutere meine Angaben ... durch einen Hinweis auf die in meinem Zimmer aufgestellten Antiquitäten. Es seien eigentlich nur Grabfunde, die Verschüttung habe für sie die Erhaltung bedeutet”.

Die Umstände hinderten Freud daran, alle seine Bücher aus Wien mitzunehmen. Die Bibliothek in 20 Maresfield Gardens enthält die Bücher, die Freud auswählte und mitbrachte. Die Bibliothek umfaßt ein breites Spektrum an Themen: Kunst, Literatur, Archäologie, Philosophie und Geschichte sowie Psychologie, Medizin und Psychoanalyse. Das Bücherregal hinter Freuds Schreibtisch enthält einige seiner Lieblingsautoren: Neben Goethe und Shakespeare auch Flaubert, Heine und Anatole France. Freud erklärte, daß Dichter und Philosophen Einblicke in das Unbewußte gewonnen haben, die die Psychoanalyse systematisch zu erhellen versuche. Außer den Büchern befinden sich auch eine Reihe von Bildern in der Bibliothek, die so gehängt sind, wie Freud sie ursprünglich arrangiert hatte; u. a. “Ödipus und das Rätsel der Sphinx” und “Vorlesung bei Dr. Charcot”, sowie Fotografien von Martha Freud, Lou Andreas-Salomé, Yvette Guilbert, Marie Bonaparte und Ernst von Fleischl.

Dieses Haus, in dem Freud sein Leben und Werk vollendete, bietet heute einen einzigartigen Einblick in die Grundlagen der Psychoanalyse.

FREUD MUSEUM 
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 20 Maresfield Gardens 
 London NW3 5SX 

 Tel: 020 7435 2002 
 Fax: 020 7431 5452 
 email: info@freud.org.uk 
 website: www.freud.org.uk 

 ©FREUD MUSEUM 1998

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